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In: Zeitschrift für Pädagogik (in Vorbereitung).

[...]
Demokratie in Politik und Gesellschaft

Demokratie war John Dewey ein Herzensanliegen von Anfang an. Bereits mit 29 Jahren veröffentlichte er eine kleine Monographie, die seine lebenslang anhaltende politische Grundüberzeugung zum Ausdruck brachte. In The Ethics of Democracy (1888) kritisierte Dewey die herrschende und dezidiert von Henry Maine in Popular Government (1886) vertretene Ansicht, dass sich Demokratie einfach als „Regierung der Vielen“ definieren lasse. Die Meinung, erklärte er, dass Demokratie bloß eine „Regierungsform“ darstelle und allein „quantitativ“ zu bestimmen sei, mache den Menschen zu einem „isolierten Einzelwesen“ von rein „numerischer“ Bedeutung. Auch wenn das individuelle Wahlrecht und das Mehrheitsprinzip einen anderen Eindruck erweckten, sei der Mensch im Gegenteil ein „soziales Wesen“, das der Gemeinschaft bedürfe und nur als Teil eines „sozialen Organismus“ zu persönlicher Freiheit und Autonomie gelange. Demokratie sei „eine Regierungsform bloß insofern, als sie eine Form der sittlichen und geistigen Vereinigung darstellt“ (EW 1, S. 240). Dieses Merkmal, so Dewey, teile sie mit dem aristokratischen Modell. Von Platons Aristokratie unterscheide sie sich aber durch die Methode, wie das Ziel, nämlich das „höchste Gemeinwohl“, erreicht und verwirklicht werden könne. Während in Platons Republik eine kleine, uneigennützige Elite absolute Kontrolle ausübe, um das als „gut“ Erkannte zum Wohle der unorganisierten Masse durchzusetzen, seien im demokratischen Staat alle Menschen gefordert, unter Absehung ihrer eigenen egoistischen Interessen selbst den allgemeinen Willen zu definieren und in freier Vereinigung mit ihren Mitbürgern all die Aufgaben anzugehen, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Entscheidung anständen. Im Gegensatz zur Aristokratie, fügte Dewey hinzu, zeichne sich die Demokratie durch einen „Individualismus“ aus, aber es sei ein „ethischer Individualismus“, der nicht libertär oder anarchisch agiere, sich vielmehr an den Zielen und Interessen der Allgemeinheit orientiere, und nicht, wie nach Platons Behauptung und irriger Demokratievorstellung, an den Launen, Begierden und Interessen des Einzelnen. Genaugenommen sei die Demokratie jedoch nicht auf „Individuen“ angewiesen, sondern auf „Persönlichkeiten“, die durch gesellschaftliche „Anreize und Ermutigungen“, und nicht durch geisttötenden Zwang und Druck, gelernt hätten, eigenständig Initiative zu ergreifen, Verantwortung zu übernehmen und dem Humanitätsideal der französischen Revolution „Freiheit–Gleichheit–Brüderlichkeit“ uneingeschränkt Geltung zu verschaffen (S. 243f.).

In dem noch von seiner tief religiösen Einstellung beeinflussten Vortrag „Christianity and Democracy“ (1892) bestätigte Dewey zunächst einmal, dass er Demokratie als „geistiges Faktum“, nicht bloß als Teil einer „Regierungsmaschinerie“ ansehe. Demokratie sei schließlich, wie das Christentum, eine sittliche „Gemeinschaft der Ideen“, der „Interessen“ und des „Handelns“. Dann führte Dewey, wenn auch nur knapp, einen Gedanken ein, der zumindest seit Tocqueville nahelag und zum festen Bestandteil seiner politischen Überlegungen wurde, nämlich die enge Verbindung von Demokratie und Wissenschaft. „Es ist kein Zufall“, sagte Dewey, „dass der zunehmende Ausbau der Demokratie mit dem Aufstieg der Wissenschaft zusammenfällt.“ Wissenschaft brauche Freiheit, d.h. „das Lösen von Fesseln und das Einreißen von Barrieren“, um von alten Dogmen loszukommen und neue Wahrheiten zu finden. „Welche Wahrheit, welche Wirklichkeit auch immer im Menschenleben existiert, sie wird [durch Demokratie] befreit, sich selbst auszudrücken“ (EW 4, S. 9). Demokratie und Wissenschaft bedingten sich mithin gegenseitig. Die Demokratie mit ihren umfassenden Freiheitsrechten erlaubte der Wissenschaft, unabhängig von autoritativen Vorgaben und Bestimmungen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, sie zu begründen, zu lehren und zu publizieren. Die Wissenschaft mit ihren rationalen Untersuchungsmethoden ermöglichte wiederum der Demokratie, gesellschaftliche Aufgaben und Probleme sachlich und vorurteilslos anzugehen und damit entscheidend zum Frieden und zum sozialen Fortschritt beizutragen. Die Verbreitung wissenschaftlicher Verhaltensweisen in der Bevölkerung war nach Dewey daher die Voraussetzung für die Entfaltung demokratischer Sitten und Gewohnheiten.

Achtzehn Jahre später nahm Dewey den Faden wieder auf. Was die Demokratie gegenüber anderen Politikmodellen auszeichne, notierte er im vielzitierten Kapitel 7 von Democracy and Education (1916), lasse sich durch zwei Kriterien näher bestimmen. [...]