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John Dewey und das Ende der Laborschule in Chicago. In: Pädagogische Rundschau 67 (2013), H. 3, S. 253-290 (Auszug).
Zum down-load:
https://independent.academia.edu/MichaelKnoll/Papers-in-German

Die Laboratory School, oder wie sie ursprünglich hieß, die University Primary School, wurde am 13. Januar 1896 in einem kleinen, dreizimmerigen Privathaus westlich des Washington Parks in unmittelbarer Nähe der University of Chicago eröffnet. Das Ereignis verlief, nach nur zweimonatiger Vorbereitungszeit, fast unbemerkt und ganz unspektakulär. Es gab keine Festreden und keinen Empfang. Glaubt man der einzigen, kurzen Pressenotiz, die drei Tage später in der Studentenzeitschrift der Universität erschien, dann hielten weder John Dewey, der Direktor der Schule und Professor für Philosophie, Psychologie und Pädagogik, noch William R. Harper, der Präsident der Universität und Sponsor der Schule, eine Ansprache. Wie das University of Chicago Weekly am 16. Januar 1896 unter der Überschrift „The Model School“ berichtete:

Die Primarschule, die mit dem Pädagogischen Department der Universität verbunden ist, wurde am Montagmorgen eröffnet. Anwesend waren 12  Schüler und doppelt so viele Erwachsene und Besucher. Das Haus in der 57. Straße Nr. 369 ist neu; es hat große Fenster, sonnige Zimmer und ist von einem Spielplatz umgeben. Die Arbeit des ersten Vormittags begann mit einem Lied, gefolgt von einer Besichtigung der Örtlichkeiten, um herauszufinden, was die Kinder über die Funktion des Gartens, der Küche etc. wissen und inwieweit ihre Beobachtungsgabe ausgebildet ist. Die Kinder wurden an Tische gesetzt und mit Kartonpapier versorgt. Am Ende des Morgens besaß jedes Kind eine Schachtel für Bleistifte und andere Utensilien. Eine Geschichte wurde von einem der Kinder erzählt, und körperliche Übungen beschlossen das Programm.“

So schlicht die Schule auch begann, die Erwartungen von Dewey und Harper waren groß. William Rainey Harper, der den 35-jährigen John Dewey 1894 mit einer beträchtlichen Gehaltsaufbesserung von der University of Michigan nach Chicago gelockt hatte, war ein Mann, der - gesegnet mit Wagemut, Tatkraft und Visionen - nur zwei Jahre zuvor den Ölmagnaten John D. Rockefeller dazu verführt hatte, eine Volluniversität nach europäischem Vorbild zu gründen und großzügig mit Stiftungsgeldern auszustatten. Ehrgeizig wie Harper war, wollte er die University of Chicago in kürzester Zeit und auf allen Gebieten zur führenden Hochschule der Vereinigten Staaten machen. Die Pädagogik nahm da einen wichtigen Platz ein. Harper schwebte ein Schul- und Bildungsimperium vor, das von der Elementary und High School über das College und die Graduate School bis zur Forschungsanstalt und Fernuniversität alle Facetten der Bildung umfasste. Tatsächlich hatte er schon vor Deweys Ankunft begonnen, Kooperationen mit High Schools zu schmieden, die er zum Teil - wie die Morgan Park Academy, die Manual Training School und die South Side Academy - auch bald formal seinem Reich einverleiben konnte. Überdies war Harper ein begnadeter Lehrer. Schon als Dozent am Baptist Union Theological Seminary, als Organisator von Summer Schools und als Professor für semitische Sprachen in Yale hatte er das Interesse für Hebräisch nicht nur bei Theologen wiedererweckt. Hunderte von Studenten und Lehrer besuchten auch jetzt noch seine Seminare, kauften seine Bücher, abonnierten die von ihm edierte Zeitschrift The Hebrew Teacher. Als engagierter Pädagoge und Universitätspräsident wurde Harper in zahlreiche Gremien und Kommissionen der drittgrößten Stadt der USA gewählt. So wurde er 1894 Vorstand des Erziehungskomitees der Chicagoer Bürgervereinigung, 1896 Mitglied des städtischen Schulausschusses und 1898 Vorsitzender einer Bildungskommission, die interessante Vorschläge erarbeitete, wie Schulunterricht und Schulverwaltung professionalisiert werden konnten. Jenseits von Erziehung und Bildung ging es Harper aber vor allem um Wissenschaft und Forschung. In dieser Hinsicht waren seine Vorbilder nicht Harvard, Oxford und Cambridge, sondern Berlin, Bonn und Heidelberg, die ja statt der dogmatischen Verkündung alter Gewissheiten die systematische Gewinnung neuer Erkenntnisse auf ihre Fahne geschrieben hatten. An seiner Universität, erklärte Harper demgemäß, sei „die Forschungsarbeit primär, die Lehre sekundär.“ Von Dewey, dem neu ernannten Philosophieprofessor und Direktor des Pädagogischen Departments, erwartete Harper daher Initiativen, die die University of Chicago als maßgebliche Lehrerbildungsanstalt des Landes, wenn nicht der Welt, etablierte und an die Spitze des erziehungswissenschaftlichen Fortschritts katapultierte. Dafür war er auch bereit, im begrenzten Rahmen, Gelder zur Verfügung zu stellen.

Wie William Harper war auch John Dewey auf pädagogischem Gebiet nicht ganz unerfahren. Nach Abschluss seines Bachelor-Examens 1879 an der Universität von Vermont hatte Dewey zwei Jahre in Oil City, Pennsylvania, und in Charlotte, Vermont, an High Schools unterrichtet - im Gegensatz zu Harper allerdings nur mit mäßigem Erfolg: der Schulausschuss von Charlotte verlängerte seinen Vertrag nicht, weil er es mit seinem freiheitlichen Erziehungsstil nicht fertig gebracht hatte, die pubertierenden Schüler zu bändigen und zum gedeihlichen Lernen anzuhalten. Als Professor an der University of Michigan von 1884 bis 1894, mit einjähriger Unterbrechung in Minnesota, konnte sich Dewey dann Aufgaben widmen, die ihm mehr Befriedigung und Ansehen verschafften. Er gab Bibelunterricht, gründete - zusammen mit mehreren Kollegen - den Michigan School Masters‘ Club und inspizierte - im Auftrag der Universität - die High Schools, die danach strebten, dass sich ihre Schüler ohne Aufnahme- und Zusatzprüfungen in Ann Arbor immatrikulieren durften. Aus der Zeit in Michigan stammten auch Deweys erste Arbeiten zur Pädagogik. Wohl unter dem Einfluss seiner Frau Alice, einer bekennenden Frauenrechtlerin, erschienen zwei Aufsätze, die den Zusammenhang zwischen der Gesundheit junger Frauen und ihrem erlangten Bildungsstand thematisierten; und als Mitglied des Michigan School Masters‘ Club veröffentlichte Dewey zwei Vorträge, die Überlegungen enthielten, wie Grundfragen der Psychologie bzw. der Ethik an der High School unterrichtet werden konnten. Mit der Geburt seiner Kinder erweiterte sich sein Interesse auf Fragen der Kindererziehung und Elementarschulbildung. Ein Ausdruck dessen war sein Aufsatz „The Psychology of Infant Language“, in dem er, zum ersten und einzigen Mal, die Ergebnisse einer eigenen empirischen Untersuchung darbot. Dewey nahm daher freudig das Angebot von Harper an, in Chicago neben der Philosophie und Psychologie auch den gesamten Bereich der Pädagogik zu vertreten und nach seinen Vorstellungen zu gestalten. [...]

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