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Wie Mayhew und Edwards‘ Klassiker „The Dewey School“ entstand. In: Pädagogische Rundschau  68 (März 2014), S. 199-221 (Auszug).
Siehe auch: https://independent.academia.edu/MichaelKnoll/Papers-in-German

Im Jahre 1936 erschien das Buch „The Dewey School: The Laboratory School of the University of Chicago” von Katherine C. Mayhew und Anna C. Edwards bei Appleton-Century in New York. Auf 489 Seiten beschrieben die beiden Autorinnen darin jenes Experiment, das unter Leitung von John Dewey, dem Philosophieprofessor, und mit ideeller und finanzieller Unterstützung von William R. Harper, dem Universitätspräsidenten, von 1896 bis 1903 an der University of Chicago existierte und bis heute als einer der kühnsten Schulversuche gilt, die jemals in der Pädagogik unternommen wurden. „Mehr Augen“, stellte Deweys Freund und Kollege Burke A. Hinsdale bereits 1900 vor der National Education Association fest, „sind auf die University Elementary School in Chicago gerichtet als auf jede andere Elementarschule im Lande und wahrscheinlich auf der Welt.“ Die Rezensenten der ersten und zweiten Auflage begrüßten das Buch von Mayhew und Edwards dann auch emphatisch. Thomas B. Colwell nannte es „die allerbeste Quelle, um sich Deweys Erziehungsphilosophie zu nähern und sie kennenzulernen”; Clifford Woody meinte, es repräsentiere „eine der besten vorhandenen Darstellungen über die Prinzipien der progressiven Erziehung”, und Horace S. Fries fand, es sei „das wichtigste Werk in der Pädagogik seit Demokratie und Erziehung und vielleicht seit Emile. Tatsächlich wurde das Buch zu einem Standardwerk der Dewey-Literatur und zu einem Klassiker der internationalen Reformpädagogik.

Bis heute sind Wert und Güte des Schulreports in den Vereinigten Staaten unbestritten. Dies kann zunächst einmal nicht verwundern, hatten doch John Dewey in seiner Einführung des Buches und Jane Dewey in der Biographie ihres Vaters Mayhew und Edwards‘ Werk hochgelobt und gleichsam gegen Kritik immunisiert, indem sie keinen Zweifel daran ließen, dass der Bericht – zumal von zwei ehemaligen Lehrerinnen der Schule mit „Kenntnissen aus erster Hand“ geschrieben – als „authentisch“, „autoritativ“ und „vollständig“ anzusehen sei. Vielleicht deshalb hat es bisher auch kein einziger amerikanischer Erziehungshistoriker - von Lawrence A. Cremin und Arthur G. Wirth, über Brian Hendley und Robert Westbrook bis hin zu Anne Durst und Thomas D. Fallace – als nötig erachtet, die Qualität und Glaubwürdigkeit der Studie wirklich in Frage zu stellen. Selbst Laurel N. Tanner, die sich in jüngster Zeit am intensivsten mit der Theorie und Praxis der Laborschule befasst hat, bezeichnet die Schrift als „die umfassendste Geschichte der Schule, die wir wahrscheinlich bekommen werden“. Es kommt nur wenigen Historikern, wie etwa Seymour B. Sarason, Fritz Bohnsack und Karin Kleinespel, in den Sinn, dass Mayhew und Edwards ihren Bericht interessengeleitet geschrieben und den Unterricht geschönt dargestellt haben könnten. Dabei lässt schon Deweys eigener Hinweis auf die mögliche „Idealisierung“ der Unterrichtspraxis sowie der im Vorwort ausgesprochene Dank der Autorinnen an bestimmte Mitarbeiter aufhorchen. Denn abgesehen davon, dass Mayhew und Edwards lebenslange Freunde der Deweys waren, legt die dort angesprochene Beteiligung von drei Familienmitgliedern, nämlich von Alice, Evelyn und John Dewey, den Verdacht nahe, dass es bei dem Buch nicht um eine möglichst objektive Darstellung, sondern von Anfang an um eine Kampf- und Rechtfertigungsschrift ging, die das Laborschulexperiment als geglückt und Deweys pragmatistische Erziehungs- und Unterrichtstheorie als grundlegend, bahnbrechend und praxistauglich ausweisen sollte.

Nun könnte man Form und Inhalt des Buches untersuchen, um festzustellen, inwieweit Mayhew und Edwards die zahllosen Schulprogramme, Lehrpläne, Konferenzprotokolle und vor allem die dreitausend Seiten der gedruckten und ungedruckten Lehrerberichte sachgerecht ausgewertet und interpretiert haben. Dies wird hier indes nicht geschehen, vielmehr einem zweiten Aufsatz vorbehalten sein. Im folgenden soll – unter Heranziehung der vor allem an der Cornell University lagernden und bislang unbekannten Briefe und Archivalien – zunächst einmal nur die Entstehung des Laborschulberichts nachgezeichnet werden, was nicht zuletzt deswegen interessant und aufschlussreich ist, weil uns Dewey – in engem Schulterschluss mit den Hauptautorinnen – auch schon hier als geschickter Geschichtspolitiker entgegentritt, d.h. als ein Mann, der trotz aller persönlichen Bescheidenheit und Zurückhaltung beharrlich um seinen zukünftigen Platz in der Pädagogik kämpfte, indem er die Arbeit von Mayhew und Edwards finanzierte, sie durch eigene Beiträge vitalisierte und in seine lebenslange Kampagne gegen Kritik und Fehlinterpretation seiner progressiven Erziehungsphilosophie und Schulpraxis integrierte.

Alice Dewey macht den Anfang

 Wann die Idee auftauchte, über die im Januar 1896 eröffnete, zunächst „University Primary School“ bzw. „University Elementary School“ heißende, aber zumeist „Dewey School“ oder „Laboratory School“ genannte Schule ein Buch zu schreiben, ist nicht eindeutig auszumachen. Doch wer das Projekt zuerst ins Auge fasste und wer von Beginn an die Wichtigkeit des Unternehmens für Deweys Ruf und Ruhm erkannte, darüber gibt es keinen Zweifel. [...]